„GRILLEN HAT SICH VERÄNDERT – VOM FLEISCHWENDEN ZUR ERLEBNISKULTUR.“
Grillen als Lebensart
Wenn der Rauch erzählt
Zehn bis sechzehn Stunden. So lange braucht ein Beef Brisket im Smoker, bis die Kruste schwarz und knusprig ist und das Fleisch darunter nachgibt wie warme Butter. Johannes Ramler lehnt am Grill, die Arme verschränkt, und wartet. Nicht ungeduldig – andächtig. „Manche meditieren“, sagt der 37-Jährige. „Ich smoke.“
Dafür, dass Ramler einmal den Grillshop im n&m Genuss Quartier in Essen (Oldb.) leiten würde, gab es schon in seiner Kindheit Hinweise. Als kleiner Junge stand er mit Opa und Vater am Grill, wenn sie gemeinsam den Fang vom Angeln auf den Rost legten. Der Geruch von Holzkohle und frischem Fisch und das Knistern der Glut, das sind Erinnerungen, die geblieben sind. Mit Anfang zwanzig kaufte er seinen ersten eigenen Smoker. Weg vom schnellen Grillen, hin zum stundenlangen Garen. Zu dem Moment, wenn sich Röstaromen mit zartem Rauch verbinden. Seine Erkenntnis: Grillen kann mehr sein als Bratwurst und Bier. Es ist auch Handwerk. Geduld. Genuss.
Im Shop reihen sich heute Keramikgrills neben Pizzaöfen, südafrikanische Braais – bei denen man die Holzkohle selbst erzeugt – und schimmernde Gasgrills. Dazu Pfannen und Schalen für alles, was kein Fleisch ist. Denn auch das hat Ramler längst verstanden: Gemüse mit Röstaromen, knusprige Halloumi-Spieße oder rauchige Paprika vom Stein sind keine Notlösung, sondern eigenständiger Genuss. „Das Veggie-Grillen wird immer wichtiger“, sagt er. In ein paar Jahren rechnet er mit sechs, sieben vegetarischen Kursen pro Saison. Auch Pizza vom eigenen Stein sei ein Trend, der noch lange nicht vorbei ist.
Wer will, testet das Zubehör und die Grills direkt vor Ort in einem der Kurse. BBQ-Basics für Einsteiger, Dutch Oven für Experimentierfreudige, Steak & Burger für Puristen, Fisch vom Rost für die, die Neues wagen. Gegrillt wird auf der großen überdachten Terrasse, der Duft von Holzkohle mischt sich mit dem Malz aus der hauseigenen Brauerei nebenan. „Wir holen jeden dort ab, wo er steht“, sagt Ramler. „Vom ersten Würstchen bis zum perfekten Pulled Pork.“
Das n&m Genuss Quartier selbst ist aus einer ungewöhnlichen Idee entstanden. Anfang 2023 suchten Stefan Niemeyer und Lukas Middendorf einen Bierlieferanten für den Basketballverein RASTA Vechta. Daraus wurde der Plan, ein eigenes regionales Bier zu brauen – und schließlich ein ganzes Genuss-Konzept: Brauerei, Catering, Eventlocation, Koch- und Grillschule sowie Feinkost- und Grillshop unter einem Dach. Seit August 2025 gibt es zudem einen Feinkostshop in der Vechtaer Innenstadt, direkt in der Großen Straße.
Als Ramler 2023 davon hörte, bewarb er sich sofort. Heute tüftelt er an neuen Kursen – Finest-Grillen kommt 2027, edel, stilvoll und modern – und an der Erweiterung des Shops. Die Pläne sind groß, die Vorfreude auch: Im März feiert das n&m Genuss Quartier sein einjähriges Jubiläum.
Für Grill-Anfängerinnen und -Anfänger hat er noch einen simplen Tipp parat: „Am besten, man heizt den Rost zehn Minuten vor. Das gibt nicht nur richtig schöne Grillstreifen, das Grillgut klebt auch weniger an den Streben.“ Das wiederum spare Nerven beim Reinigen und man könne – wie er – ganz entspannt genießen, wie die Röstaromen vom Rost in die Nase steigen.
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