„Wir können zwar nicht alles lösen, aber wir können Menschen auf den Weg bringen.“

Ingrid Kappelhoff
Lächelnde Frau mit grauen Locken, die eine Brille, einen hellblauen Blazer, ein weißes Hemd und eine silberne Halskette trägt und vor einem schlichten weißen Hintergrund posiert – perfekt, um Selbstbewusstsein und Professionalität beim „Ausbildungsstart Finanzen“ zu veranschaulichen.

Neue Perspektiven in belastenden Zeiten

Wie die awo lifebalance Mitarbeitenden durch psychosoziale Beratung in Belastungssituationen zur Seite steht

Überforderung im Job, Krisen in der Familie oder große Veränderungen: Manchmal gerät unser Leben ein Stück weit aus dem Gleichgewicht. In solchen Phasen kann die awo lifebalance fachlich kompetente Orientierung und Unterstützung bieten. Psychologin Ingrid Kappelhoff beschreibt im folgenden Interview, wie vielfältig die Unterstützung im Rahmen der psychosozialen Beratung aussehen kann.

Frau Kappelhoff, kurz zusammengefasst: Wer kann sich an die awo lifebalance wenden und welche Art von Unterstützung findet man dort?

Das Angebot der awo lifebalance umfasst drei Bereiche, in denen wir Menschen in allen Lebensphasen zur Seite stehen: Beratungs- und Vermittlungsleistungen für das Familienleben mit Kindern, die Pflege von Angehörigen sowie die psychosoziale Beratung. Für die Familien- und Pflegeberatung stehen qualifizierte Beraterinnen und Berater aus pädagogischen, sozialen und Gesundheitsberufen zur Verfügung, die psychosoziale Beratung erfolgt durch erfahrene Psycholog*innen.
Als Psychologin arbeite ich im Fachbereich der psychosozialen Beratung. Wir bieten diese Leistung für Mitarbeitende von Unternehmen an, die einen Kooperationsvertrag mit uns haben – darunter auch die LzO. Seit einiger Zeit können sich auch die Angehörigen der Mitarbeitenden bei uns melden. Unser Angebot: Psychosoziale Beratung auf Basis von Freiwilligkeit und Verschwiegenheit. In der Regel sind das Kurzberatungen, manche Menschen brauchen aber auch Begleitung über einen längeren Zeitraum oder mehrfach in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Für diejenigen, die den Unterschied nicht kennen – ist psychosoziale Beratung mit Psychotherapie gleichzusetzen?

Von der Psychotherapie als Leistung der Krankenkassen grenzen wir uns deutlich ab, obwohl es inhaltlich gelegentlich Überschneidungen gibt. Die Suche nach einem Psychotherapieplatz ist meist sehr aufwendig und mit langen Wartezeiten verbunden. Bei der awo lifebalance haben wir die Möglichkeit, mit zeitnahen Terminen zur Verfügung zu stehen, insbesondere auch in akuten Belastungssituationen. Nachdem wir sortiert haben, worin die Herausforderung der Klientin oder des Klienten besteht, schauen wir uns an, was die Person jetzt braucht. Oftmals können wir mit unserem Beratungsangebot so weit helfen, dass es zu einer emotionalen Entlastung und der Entwicklung neuer Perspektiven kommen kann.
Darüber hinaus verweisen wir auch manchmal an andere Stellen weiter, z.B. zur Suchtberatung, zur Paar- oder Familienberatung, zum sozialpsychiatrischen Dienst oder zur hausärztlichen Praxis. Bei der Suche nach einem Psychotherapieplatz unterstützen wir, indem wir u.a. Listen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Wohnortnähe zur Verfügung stellen und das Vorgehen erläutern.

„Ganz oft geht es bei unserer Arbeit darum, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, nochmal aus einer anderen Perspektive auf die Situation zu schauen.“

Ingrid Kappelhoff

Mit welchen Herausforderungen kommen Menschen zu Ihnen? Sind es ausschließlich berufliche Themen?

Nein, es geht um die komplette Bandbreite des Lebens, um Belastungssituationen jeder Art. Dazu können natürlich Überlastung oder Konflikte im Beruf gehören, aber auch ein Todesfall, eine Erkrankung, bei sich selbst oder in der Familie, psychosomatische Beschwerden, traumatische Erlebnisse. Auch solche aus der Kindheit, die noch nachwirken. Aber auch intrinsische Veränderungen sind ein Anlass, in die Beratung zu kommen: Dass wir älter werden, dass sich unsere Wünsche und Ziele verschieben und dass das, was uns früher glücklich gemacht hat, heute andere Gefühle in uns auslöst. Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen – das ist die Vielfalt unserer Arbeit.

Für viele Menschen kann es herausfordernd sein, sich zu öffnen und die eigenen Probleme offen anzusprechen. Wie erleben Sie das in Ihrem Alltag?

Für viele ist allein der erste Schritt – sich zu melden und einen Termin zu vereinbaren – schon eine große Überwindung. Oft hören wir: „Das ist das erste Mal, dass ich so ein Gespräch führe.“ Manchmal sind es auch Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte, die jemanden dazu motivieren, in die Beratung zu kommen. Manche Klientinnen und Klienten fragen auch nochmal nach, ob wirklich Verschwiegenheit gilt, obwohl wir das immer gleich am Anfang kommunizieren. Was hier besprochen wird, bleibt unter uns. Wir geben nichts an den Arbeitgeber weiter, nicht, dass jemand da war und auch nicht, was der Inhalt des Gesprächs war.

Wie läuft eine Beratung bei Ihnen ab?

Das kann man nicht verallgemeinern – wir sind mehrere Psychologinnen und Psychologen mit unterschiedlichen Weiterbildungen und Arbeitsstilen, und wir gehen individuell auf jeden Menschen ein. Wichtig ist immer eine vertrauensvolle Beziehung. Das Gespräch ist unser Hauptmedium, manchmal ergänzt durch Übungen oder auch körperorientierte Ansätze. Wir schauen gemeinsam: Was ist das eigentliche Thema? Welche Ressourcen bringt die Person mit? Was braucht sie jetzt? Der Fokus liegt darauf, gemeinsam lösungsorientierte Ansätze zu erarbeiten. Manchmal stellt sich im Laufe der Gespräche heraus, dass das, was anfangs genannt wurde, gar nicht das eigentliche Problem war. Diesen Prozess zu begleiten, ist sehr spannend.

„Für viele ist allein der erste Schritt – sich zu melden und einen Termin zu vereinbaren – schon eine große Überwindung.“

Ingrid Kappelhoff


Und wenn jemand mit dem Wunsch kommt, etwas im Leben zu verändern und einen Neuanfang zu wagen?

Die Klientinnen und Klienten kämen nicht mit diesem Anliegen in die Beratung, wenn es nicht Unsicherheiten oder Ambivalenzen gäbe. Dann lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen. Manchmal steckt hinter einem starken Veränderungswunsch auch ein Fluchtimpuls. Und dann geht es vielleicht weniger darum, nach außen etwas zu verändern, als darum zu verstehen: Wie bin ich an diesen Punkt gekommen? Wie kann ich meine Haltung verändern, mein Selbstwertgefühl aufbauen oder meine Kommunikationsfähigkeit anders einsetzen, anstatt dem ersten Impuls nachzugeben? Ganz oft geht es bei unserer Arbeit darum, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, nochmal aus einer anderen Perspektive auf die Situation zu schauen. Aber auch die Ermutigung, auf die eigene innere Stimme zu hören und neue Schritte in Angriff zu nehmen, also kleine Veränderungen zu wagen, kann zur Beratung gehören.


Gibt es einen Rat, den Sie Menschen mitgeben können, die gerade vor einer großen Herausforderung stehen?

Große Entscheidungen sollte man möglichst nicht aus einem starken Gefühl heraus treffen – zum Beispiel aus Wut, Verliebtheit oder Erschöpfung. Es lohnt sich, sich Zeit zu lassen und sich zu fragen: Warum will ich das eigentlich? Und ist die geplante Veränderung wirklich die Lösung für das, was ich gerade fühle? Und natürlich: Man muss das nicht alleine durchstehen. Es gibt uns, und es gibt viele weitere gute Anlaufstellen. Wir können zwar nicht alles lösen, aber wir können Menschen auf den Weg bringen. Das gilt für die psychosoziale Beratung wie für Herausforderungen im Familienleben mit Kindern und bei der Pflege von Angehörigen. Gemeinsam kommt man ein Stück weiter.

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