Im Gespräch mit „Deine Cousine“: Keine Angst vorm Abenteuer


Mit 14 Jahren gründete Ina Bredehorn (37) in Jaderberg ihre erste Band. Nach der Ausbildung zur Industriemechanikerin absolvierte sie noch die Meisterprüfung, entschied dann aber: Musik statt Metall. Der richtige Entschluss: Als „Deine Cousine“ tourte sie mit Udo Lindenberg, ihr zweites Album erreichte Platz 12 in den deutschen Charts. Wie viel Wesermarsch steckt noch in der Wahlhamburgerin?

 

 

26. Januar 2024

©LineTsoj
  1. Ihr bürgerlicher Name ist Ina Bredehorn, aufgewachsen sind Sie in Jaderberg. Das klingt erstmal nicht nach Rock ’n’ Roll, oder?
    Auf dem Land war es tatsächlich recht langweilig und wir hielten es für den besten Zeitvertreib, eine Band zu gründen. Da kam man auch mal raus in andere Dörfer und durfte länger unterwegs sein. Außerdem wussten dann schneller alle im Dorf, wer man ist.
  2. Bekannt wurden Sie als „Deine Cousine“. Heißt das, wir duzen uns?
    Ja natürlich müssen wir uns duzen, ich bin doch Deine Cousine.
  3. Aber gerne! Für die Musikkarriere hast du das ruhige Leben im Oldenburger Land ebenso aufgegeben wie deinen sicheren Job als Industriemechanikerin. Wie klar war dir, dass es klappen würde?
    Gar nicht! Ich habe nur gemerkt: Je länger ich gearbeitet habe, desto länger wurden die Abstände zu Konzerten – und dass sich das Leben immer mehr verändert hat. Da musste ich die Reißleine ziehen, um nicht irgendwann frustriert mein Kind zum Gesangsunterricht zu jagen und dabei zu denken: „Ich wollte doch immer Sängerin werden.“Alle meine Freundinnen und Freunde haben Abitur gemacht und studiert, während ich mit 16 angefangen habe zu arbeiten. Selbst wenn es mit der Musikkarriere nicht geklappt hätte, hätte ich zumindest etwas nachgeholt, was mir vorher gefehlt hat: eine Zeit, in der man nicht nur funktioniert und macht, was andere von einem erwarten. Für mich ging es dabei zu einem großen Teil auch um Selbstbestimmung und nicht einzig und allein um die Musik.
  4. Und dein Umfeld: Wie oft hast du damals gehört, dass das keine gute Idee ist?
    Sehr oft! (lacht) Ich muss noch heute an die mitleidigen Blicke denken, mit denen Menschen mich anschauten und dachten, ich sei verrückt geworden. Als ich mal zu Besuch in Jaderberg war, sagte ein Bekannter auf einer Party zu mir: „Du bist doch in drei Jahren eh wieder hier!“ Da war ich aber schon vier Jahre weg.
  5. Das solide Handwerk wirkt beinahe wie das Gegenteil zur Karriere als Rockstar. Schlagen zwei Herzen in deiner Brust?
    Auf jeden Fall. Das Handwerk ist immer noch ein großer Teil von mir und kann mich stark erden. Einer meiner Mitmusiker hat einen ähnlichen Werdegang – manchmal fahren wir zusammen ins Lager und bauen Regale oder schrauben an Cases rum. Kunst und Musik sind nie fertig und es gibt da auch kein Richtig oder Falsch. Wenn man aber etwas herstellt, dann gibt es bestimmte Dinge, die gehen nicht anders. Das tut mir manchmal sehr gut.
  6. Ein Song von dir heißt „Bielefeld, Paris oder Madrid“, für dich persönlich ging es aber von Jaderberg über Oldenburg nach Hamburg. Was ist das jeweils Beste an diesen drei Stationen?
    Emotional ist der Song ja eine totale Analogie zu meiner Reise bzw. zu meinem Leben: einfach keine Angst haben vor dem nächsten großen Abenteuer. Was soll schon passieren? Das Beste an all diesen Orten ist und war, dass sie mir genug Halt und Mut gegeben haben, um letztlich weiterzuziehen. Ich habe mich an keinem dieser Orte einsam gefühlt oder gedacht, ich kann nicht zurück, wenn es schief geht.
  7. In Hamburg hast du mit Udo Lindenberg zusammengearbeitet. „Du knallst in mein Leben“ heißt euer gemeinsamer Song. Wer ist denn in wessen Leben geknallt?
    Er in meins und ich in seins. Ich würde sagen, dass wir beide auf ganz unterschiedliche Arten das Leben des anderen bereichert haben. Wenn verschiedene Generationen zusammenarbeiten oder sich austauschen, entsteht im besten Fall für alle eine Atmosphäre, in der man wachsen kann und etwas mitnimmt.
  8. Etwas später, im Jahr 2019, erschien dein erstes Album „Attacke“, Ende 2022 dann der Nachfolger „Ich bleib nicht hier“. Bist du eine rastlose Person?
    Ich würde sagen: in gewisser Weise schon. Mir wird auf jeden Fall sehr schnell langweilig und ich möchte immer etwas Neues entdecken und mich hinterfragen. Der Spruch „Bleib, wie du bist“ ist für mich mittlerweile eher negativ behaftet, auch wenn mir natürlich klar ist, dass die Menschen damit etwas Positives sagen wollen. Aber die Welt verändert sich wahnsinnig schnell und ich möchte nicht die Person bleiben, die ich heute bin, und nicht die sein, die ich vor zehn Jahren war. „Ich bin halt so“ – das ist mir zu einfach und auch zu egoistisch gedacht. Wir sind alle Teil einer Gesellschaft, die sich weiterentwickelt.
  9. Gibt es auch eine andere Seite? Was tust du, wenn du Ruhe suchst?
    Ich lebe meinen Traum und das fühlt sich nicht wie Arbeit an, deshalb habe ich nicht so ein starkes Bedürfnis danach. Ich bin mit der Nordsee großgeworden und war als Kind im Sommer fast jedes Wochenende in Dangast. Nachts an der Elbe spazieren, wenn die Touris weg sind – viel mehr brauche ich gar nicht.
  10. Ruhig ist es vermutlich auch, wenn du deine alte Heimat besuchst. Bist du dann eigentlich Ina oder Deine Cousine?
    Beide. Die eine gibt es überhaupt nicht mehr ohne die andere. Deine Cousine ist kein Name, den ich mir anziehe, wenn ich auf die Bühne gehe. Dazu ist das alles viel zu nah an mir dran. Ich spiele niemandem etwas vor, wenn ich da rausgehe. Auch meiner Familie nicht. Deine Cousine heißt halt Ina.
  11. Zum Abschluss gucken wir in die Zukunft: Mit welcher Künstlerin oder welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten? Und warum?
    Oh, da gibt es sehr viele, mit denen ich noch gemeinsame Lieder machen möchte. Duette und Features sind einfach eine tolle Kunstform, die einem die Freiheit gibt, andere Dinge auszuprobieren. Wenn ich mich aber jetzt für eine Person entscheiden müsste, würde ich – ganz unrealistisch – Miley Cyrus bevorzugen.
  12. Und nach dem Karriereende: lieber Hängematte auf Bali oder Strandkorb in Dangast?
    Strandkorb in Dangast und Rhabarberkuchen. Für eine Woche. Dann nächste Karriere!
©Wolfgang Zac

„Deine Cousine“ live erleben

Wer Ina Bredehorn als „Deine Cousine“ live auf der Bühne hören und sehen will, der kann sich auf ihrer offiziellen Website über Tourdaten informieren. Hier finden sich auch Videos zu ihren Songs. Derzeit ist sie mit ihrem Album „Ich bleib nicht hier“ auf Tour.

Zur Website von „Deine Cousine“ →

 

 

 

 

 

 

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