Schwester im Krankenhaus

Tag und Nacht: Immer ansprechbar

11. April 2024

1786 Krankenschwester Notaufnahme nachts

©von Mende Marketing

Die Nächte von Olga Weigant sind gleißend hell: In der Zentralen Notaufnahme des St. Josefs-Hospitals in Cloppenburg werden alle Räume optimal ausgeleuchtet. Aus gutem Grund: Bei den Tätigkeiten der 42-jährigen Krankenschwester kommt es auf kleinste Details an.


Bevor sie hier Fuß fassen konnte, musste Olga Weigant einen weiten Weg zurücklegen. Als Zwölfjährige kam sie aus dem fernen Kasachstan nach Deutschland. Nach einigen Jahren in Hessen ging es für sie weiter in den Norden und schließlich an das St. Josefs-Hospital in Cloppenburg. Mit 21 Jahren begann sie dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester – und blieb. Inzwischen ist sie seit über zwanzig Jahren am Krankenhaus tätig und bereut diese Entscheidung nicht: „Ich wollte immer Krankenschwester werden“, erklärt sie mit glänzenden Augen. „Bedürftigen Menschen zu helfen und dafür auch Dankbarkeit zu erfahren – das bewegt mich bis heute.“

Erfahrung in jedem Handgriff

An ihre Anfänge erinnert sie sich noch gut: „Ich habe mich gefühlt wie eine weitere Patientin, so wenig kannte ich mich aus“, lacht sie. Das hat sich deutlich geändert. Heute strahlt Olga Weigant eine große Sicherheit aus, man spürt ihre Erfahrung bei jedem Handgriff, in ihren Einschätzungen und Erzählungen. Dabei entsteht das Bild einer Person, die einen sehr anspruchsvollen, mitunter anstrengenden Beruf ausübt – die sich damit aber wohlfühlt. „Das ist eben das, was ich mache“, will sie die Sache nicht zu groß machen, auch wenn man – zurecht – ein kleines bisschen Stolz spüren kann.

Die Nachtschicht ist besonders lang, sie dauert von 20 Uhr bis 6 Uhr. Zudem stellt sie hohe Anforderungen an den Biorhythmus, der sich stark umstellen muss. Dennoch mag die dreifache Mutter diese Dienstzeiten und übernimmt sie häufig. Nicht zuletzt, weil sie sich durchaus mit Familie vereinbaren lassen: „Ich kann bei diesem Modell tagsüber für meine Kinder da sein, das empfand ich immer als Privileg“, erzählt sie. Die älteste Tochter hat inzwischen ein Lehramtsstudium aufgenommen, die beiden Jüngeren wissen die Anwesenheit der Mutter jedoch zu schätzen, wenn sie aus der Schule kommen. Dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschlafen ist, hat Olga Weigant ihrem geringen Schlafbedürfnis zu verdanken: „Mit drei bis vier Stunden komme ich gut aus“, erzählt sie. Und bestätigt damit Einschätzungen von Experten wie dem Schlafmediziner Dr. Klaus-Dieter Wolgast.

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Der Schichtverlauf: vollkommen unwägbar

Die vielleicht größte Herausforderung im Arbeitsalltag einer Krankenschwester sind die vielen Unwägbarkeiten. „Der Verlauf einer Schicht ist vollkommen unvorhersehbar“, berichtet Olga Weigant. Zwar gebe es wiederkehrende Abläufe und Tätigkeiten und damit eine gewisse Routine. Doch was als Nächstes passiert? Weiß man erst, wenn es so weit ist – schließlich hängt es davon ab, was draußen in der Nacht geschieht. Aus diesem Grund gibt es zumindest in der ersten Hälfte der Nachtschicht kaum Verschnaufpausen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme: „Wir müssen über viele Stunden aufmerksam und konzentriert sein, um auch bei Notfällen einen kühlen Kopf zu bewahren“, erzählt die erfahrene Krankenschwester. Auch arbeite man sehr eigenverantwortlich: Bevor eine Ärztin oder ein Arzt die Neuzugänge untersuche, seien zunächst die Schwestern gefragt. Sie nehmen Blut ab, führen ein EKG durch und entscheiden auch über die Dringlichkeit des Falls. „Dank unserer Erfahrung können wir das schnell und gut einschätzen“, ist die Fachkraft überzeugt. Während der Nachtdienste habe man zwar eine größere Verantwortung, doch ihr persönlich gefalle diese Selbstständigkeit.

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Zuständig für die Versorgung – und Stimmung

Wenn sich zu Stoßzeiten die Gänge füllen, wird es stressig für Olga Weigant: Kaum einen Schritt kann sie gehen, ohne angesprochen zu werden. Geduldig beantwortet sie alle Fragen, auch ihre gute Laune verliert sie nicht. „Wir Schwestern sind letztlich auch für die Stimmung zuständig“, berichtet sie mit einem Schmunzeln. Hier ein Blick, dort eine Geste – das sei wichtig für die Patientinnen und Patienten. Tatsächlich gelingt Weigant auch unmitten des Trubels eine bemerkenswerte Mischung aus menschlicher Wärme und nötiger Bestimmtheit. Schließlich muss sie auch auf ihre Zeit achten. Und die ist immer knapp.

Für die Anspannung und Aufregung der Patientinnen und Patienten – und für gelegentliche Überreaktionen – hat die Krankenschwester Verständnis: „Für die Betroffenen ist das eine Extremsituation“, ist sie sich bewusst. Das Warten auf die Behandlung sei für viele nur schwer auszuhalten. Deshalb seien die Mitarbeitenden der Notaufnahme immer auch für die Seelsorge gefragt. „Das Aufgabenspektrum ist hier einfach sehr breit“, stellt Olga Weigant fest – und wirkt dabei nicht, als werte sie das als ein Problem. Im Gegenteil: Sie schätzt diese Vielfalt an ihrem Beruf.

Ruhe? Erst bei Tagesanbruch

Irgendwann – meist erst nach Mitternacht – kehrt schließlich doch etwas Ruhe ein in der Notaufnahme des St. Josefs-Hospitals. Auf den Fluren wird das sonst so gleißende Licht heruntergeregelt, viele Patientinnen und Patienten sind nach einem aufregenden Tag bereits eingeschlafen und die Zahl der neuen Fälle nimmt ab. Für Olga Weigant gibt es dennoch viel zu tun: Manches muss nach-, anderes muss vorbereitet werden. Ruhe? Gibt es für die gebürtige Kasachin erst spät in der Nacht. Dann, wenn draußen schon der neue Tag anbricht. Doch sollte etwas Unvorhergesehenes passieren, wäre sie auch dann: immer ansprechbar.

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