Mit Willen und (Selbst)Motivation zum Vereinserfolg:

„Engagement kennt kein Geschlecht!“

16. Dezember 2023

Verein Little Angel Strandreinigungsaktion Kenia

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Die Armut und Bildungsrückstände in Afrika lediglich aus der Ferne zu registrieren – damit hat sich Anja Friedrich nicht zufriedengegeben. Zunächst arbeitete die heute 50-Jährige im Sommer 2011 als freiwillige Helferin drei Monate in der kenianischen Küstenstadt Mombasa in einem Waisenhaus. Nachdem sie hörte, dass das Gebäude der nahegelegenen Schule „Little Angel“, in dem die Waisenkinder untergebracht waren, zusammengebrochen und dringend Hilfe nötig war, wollte sie mehr tun. Die Geburtsstunde ihres Vereins „Little Angel“.

Seitdem hat sie weitere Projekte für Frauen und Familien ins Leben gerufen, um sie bei einem selbstbestimmten Leben ohne Armut zu unterstützen, darunter „Likoni Women Hope & Eco“ für alleinerziehende Mütter. Was sie auch durch herausforderungsvolle Phasen ihres Engagements trägt, ist vor allem eines: Dankbarkeit.


Das Schicksal der Waisenhauskinder in Kenia zu erleben ist das eine, aktiv zu werden und einen Verein zu gründen das andere. Wie hat sich aus Ihrem Vorhaben die konkrete Vereinsgründung im November 2011 entwickelt?

Auf die Nachricht des zerstörten Gebäudes hin hatte ich zunächst eine schlaflose Nacht. Ich wollte helfen, wusste aber nicht, was ich genau tun könnte. Wie durch eine glückliche Fügung erhielt ich am nächsten Morgen einen Anruf aus der Personalabteilung der LzO, meiner damaligen Arbeitgeberin. Das Team fand mein Engagement toll und wollte zu Weihnachten eine Spendenaktion unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisieren. Ich war aufgeregt und dankbar. Mir wurde aber auch klar, dass ich einen Verein gründen musste, um den Menschen vor Ort langfristig helfen zu können.

 

Welche Unterstützung haben Sie dabei erhalten?

Bei der Vereinsgründung haben mir Kontakte aus meinem Freundeskreis geholfen, die in Sportvereinen engagiert sind. Das Finanzamt war mir eine große Hilfe bei der Beantragung der Gemeinnützigkeit – damit hatte ich noch keine Erfahrung. Finanziell war es eine Herausforderung, genügend Ressourcen aufzubringen, um die anfänglichen Kosten zu decken und den Verein langfristig am Laufen zu halten. Die Spendenaktion unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LzO war ein für mich ungeahnter Erfolg und die Hilfsbereitschaft sehr berührend. Sie hat ermöglicht, dass ich nur sechs Monate nach meinem Freiwilligenaufenthalt drei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen konnte, um nach Kenia zu reisen und den Kauf eines Grundstücks für die Little Angels abzuschließen. Die Abwicklung in Kenia war kompliziert und völliges Neuland für mich.

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Nach diesen Erfahrungen: Was braucht es an Eigenschaften, aber auch konkreten Fähigkeiten, um einen Verein zu gründen, aber auch zu leiten?

Zuallererst eine starke Motivation und Leidenschaft für die Sache, die der Verein unterstützt. Durchhaltevermögen, Teamgeist und die mentale Stärke, Rückschläge zu verkraften und aus ihnen zu lernen, sind ebenfalls entscheidend. Dazu kommen Fähigkeiten wie Organisations- und Kommunikationstalent.

 

„Ein Verein lebt von Menschen,
die sich leidenschaftlich für seinen Erfolg einsetzen.“

 

Zusätzlich ist es wesentlich, Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu haben, die sich ebenso leidenschaftlich für den Erfolg der Vereinsarbeit einsetzen. Unser Vorstand besteht aus zwei weiteren engagierten Frauen, Petra Lausch und Sandra Voogd, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber auch die anderen Vereinsmitglieder übernehmen Aufgaben, die mich entlasten. Auf privater Seite bekomme ich von meinem Ehemann Mario Hendle den notwendigen Rückhalt – er stärkt mich und unterstützt mein Engagement.

Welche Kenntnisse haben Sie mitgebracht bzw. sich angeeignet?

Man sollte über fundiertes Wissen im Bereich Vereinsrecht, Finanzmanagement und Öffentlichkeitsarbeit verfügen oder bereit sein, sich diese anzueignen. Ich muss kontinuierlich in neue Themen eintauchen, mich selbst motivieren und umfangreiche Recherchen durchführen. Darüber hinaus verfasse ich akribisch komplexe Förderanträge, überarbeite sie stundenlang und versuche, auch in Zeiten von Ablehnungen den Mut nicht zu verlieren.

 

„Geschlecht spielt keine Rolle, wenn es darum geht, sich für andere einzusetzen.“

 

Für andere da zu sein, sich zu kümmern und zu helfen – das wird oft als „typisch weiblich“ dargestellt. Finden Sie das in Ordnung oder zu kurz gegriffen bzw. klischeehaft?

Obwohl es viele weibliche Freiwillige vor Ort in Kenia gibt, ist unser Engagement nicht „typisch weiblich“. Wir haben viele männliche Paten, Spender und Unterstützer. Geschlecht spielt keine Rolle, wenn es darum geht, sich für andere einzusetzen und Hilfe zu leisten. Zum Beispiel setzt sich unser Koordinator Stephen Boro, gebürtiger Kenianer und Pflegefachkraft im Klinikum Oldenburg, mit uns gemeinsam für die alleinerziehenden Mütter in seinem Heimatdorf Kwamaiko ein. Es geht vielmehr um den Willen und das Engagement, etwas Positives zu bewirken – unabhängig vom Geschlecht. Das gilt auch für die Vereinsgründung: Das positive Signal liegt nicht darin, dass ich als Frau den Verein gegründet habe, sondern vielmehr darin, gemeinsam zu zeigen, was man bewirken kann, wenn man den ersten Schritt tut.

Finanziell selbstbestimmt? Im Leben selbstbestimmt!

Als Frau finanziell unabhängig zu sein, ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Auf diesem Weg begleiten wir von der LzO Sie gerne – mit Tipps, wie Sie sich einen Überblick über Ihre finanzielle Situation verschaffen, mit Fachwissen und persönlicher Beratung.

Denn starke Kundinnen finden wir echt stark!

Weitere Informationen und unser Beratungsangebot finden Sie auf dieser Website →

Wurden Sie mit Ihrem Engagement immer ernst genommen? Auch zu Beginn, als Sie noch keine erfolgreich umgesetzten Maßnahmen vorzuweisen hatten?

Ja, von Anfang an. Die Menschen um mich herum, einschließlich meiner Unterstützerinnen und Unterstützer, Freundinnen und Freunde und meiner Bekannten, haben mein Engagement und meinen Einsatz geschätzt. Sie hatten Vertrauen in uns und den Verein. Das hat mich motiviert, weiterzumachen und mein Bestes zu geben.

 

Warum ist ein Engagement wie Ihres so wichtig für die Gesellschaft?

Durch unser Engagement können wir zeigen, warum es sich lohnt, sich für andere einzusetzen, die in ihren Möglichkeiten benachteiligt sind. Der Erfolg stärkt mein Selbstvertrauen und meine Entschlossenheit, mich weiterhin für andere einzusetzen. Jeder kleine Schritt und jedes noch so kleine Engagement im In- und Ausland, sei es persönlich oder durch Spenden, kann die Welt verbessern. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, zu sehen, wie unsere Arbeit das Leben von Menschen zum Besseren verändert.

Was bedeutet der Erfolg der Vereinshilfen für Sie persönlich? Macht er Sie stark? Bzw. macht es Sie stark, sich für andere stark zu machen?

Ja, dass ich mit dem Verein das Leben von Menschen positiv beeinflussen kann, bedeutet mir persönlich sehr viel und stärkt mich. Trotz der Herausforderungen, des Zeitdrucks und der Rückschläge erfüllt es mich mit Zufriedenheit und Freude zu sehen, welche positiven Veränderungen sich daraus ergeben. Ich erhalte viel Dankbarkeit von den Menschen in Kenia und auch hier in Deutschland viel Anerkennung.

Wiederum meine Wertschätzung gegenüber den Spenderinnen und Spendern zum Ausdruck zu bringen, ist mir im Übrigen sehr wichtig. Jede neue Patenschaft und jede Spende machen mich glücklich und bestätigen mich. Es freut mich sehr zu sehen, wie viele Menschen helfen möchten, wenn sie wissen, wo und wie ihre Unterstützung ankommt. Dies zeigt mir immer wieder, dass ein großer Teil unserer Gesellschaft großzügig und hilfsbereit ist.

 

„Dass ich mit dem Verein das Leben von Menschen positiv beeinflussen kann, bedeutet mir persönlich sehr viel und stärkt mich.“

 

Haben Sie noch einen Tipp für andere Vereinsleiter:innen?

Gleichgesinnte und Mitstreitende suchen, die sich ebenfalls leidenschaftlich engagieren. Und unbedingt Pausen einlegen! Dieser Punkt wird oft vernachlässigt, insbesondere wenn jemand für eine Sache brennt. Ich nehme ihn mir umso mehr zu Herzen, weil ich zusätzlich hauptberuflich bei einem Verein arbeite, der geflüchtete Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt. Ich muss meine Kräfte gut einteilen, um langfristig effektiv zu sein.

©Privat
LzO Little Angel Beitrag Stoffbeutel
Weil Engagement füreinander uns alle stark macht!
Wie sich Anja Friedrich mit ihrem Verein für andere engagiert, finden wir von der LzO großartig! Auch uns liegt am Herzen, die Menschen in der Region zu stärken. Deshalb fördern wir viele kleine und große Projekte – und damit die Nähe im Oldenburger Land.

Eine Übersicht der Förderprojekte finden Sie hier → 

©Michael Stephan

Anja Friedrich

ist die Gründerin des Vereins „Little Angel“. Daneben arbeitet sie seit 2016 beim Verein pro:connect – Integration für Bildung und Arbeit in Oldenburg als Integrationsberaterin für Geflüchtete und als Leiterin eines Frauenprojekts. Die Sparkassenbetriebswirtin war viele Jahre bei der LzO tätig und hat sich darüber hinaus stetig weitergebildet, unter anderem im Fernstudium zu „Social Management“ an der Studiengemeinschaft Darmstadt und „Deutsch als Fremdsprache“ am Goethe Institut. Das zusätzliche Fachwissen hilft hier bei ihrem vielfältigen beruflichen und privaten Engagement.

 

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