Mein Lieblingsort: das Goldenstedter Moor

Über die Magie einer besonderen Landschaft

27. März 2025

Moorlandschaft Goldenstedt beim Sonnenuntergang

©Willi Rolfes

Das Moor ist für mich ein bedeutungsvoller, nahezu mystischer Ort. In meiner Freizeit bin ich meist hier zu finden. Seit meiner Kindheit fasziniert mich das „Große Moor“ zwischen Goldenstedt und Vechta. Es ist nicht nur eines meiner liebsten Fotomotive, sondern auch ein persönlicher Rückzugsort und eine große Inspirationsquelle für mich.


Die unendliche Weite macht das Goldenstedter Moor zu etwas ganz Besonderem. Die Wechselwirkung von Licht, Geräuschen und Stimmungen ziehen mich immer wieder in ihren Bann. Es ist eine Landschaft, die sich ständig verändert und entwickelt. Vor allem in den Renaturierungsflächen des Goldenstedter Moors entstehen magische Momente – als ob die Zeit für einen kurzen Moment stehen bleiben würde. Das Chaos der Welt und die Hektik des Alltags kann ich hier vergessen.

©Willi Rolfes

Das Moor hat mich schon als Kind geprägt

Eine der prägendsten Erinnerungen an das Moor ist gleichzeitig auch eine meiner frühesten. Als Kind nahm mich mein Vater an einem nebeligen Maimorgen mit auf eine Tour. Unsere Mission: Wir wollten den Großen Brachvogel sehen. Also wanderten wir vorbei an taubedeckten Moorwiesen und entlang der Schienen der alten Moorbahn, bis wir nur noch auf weichen Torf traten. Wir setzten uns an den Rand eines alten Torfstichs. Der Nebel wurde immer dichter und die aufgehende Sonne färbte ihn in wechselnde Pastelltöne. Obwohl wir den Vogel nicht zu sehen bekamen, sondern nur seinen flötenden Ruf in der Ferne hören konnten, hinterließ diese Erfahrung einen tiefen Eindruck bei mir und entfachte eine lebenslange Leidenschaft für diesen Ort. Erst Jahre später begann ich, die faszinierende Landschaft des Moores zu fotografieren – und bis heute ist sie ein beliebtes naturfotografisches Thema für mich geblieben.

 

„Im Moor kann ich das Chaos der Welt und
die Hektik des Alltags vergessen.“

Willi Rolfes, Naturfotograf

 

Meine erste Kamera habe ich 1981 gekauft. Ich bin ein Autodidakt, habe mir also alles selbst beigebracht und erarbeitet. Für mich ist es nicht so entscheidend, technische Regeln einzuhalten, sondern eine Atmosphäre einzufangen. Mir geht es darum, durch meine Bilder die Schönheit, Verletzbarkeit und Würde der Natur zu vermitteln und die Menschen für den Schutz unserer Umwelt zu begeistern.

Für den Erhalt des Moores als einzigartiges Ökosystem setzen sich auch der Förderverein Goldenstedter Moor und das „Haus im Moor“ ein, wo ich mich seit der Gründung aktiv engagiere. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Faszination des Moores erlebbar zu machen und das Bewusstsein für seine Bedeutung zu stärken. Noch zu Zeiten meiner Eltern war das Moor negativ besetzt, viele Generationen haben den Ort lediglich mit harter Arbeit und Armut verbunden.

Vielfältiger Rückszugsort und Zeugnis früherer Kulturen

Heute sind wir uns der hohen Bedeutung bewusst: Das Moor ist nicht nur ein vielfältiger Rückzugsort und Lebensraum für gefährdete Arten, sondern auch wichtig als Zeugnis früherer Kulturen und für den Klimaschutz. Es dient als „Tankstelle“ für Zugvögel und Wintergäste aus Skandinavien und ermöglicht zahlreiche ungewöhnliche und überraschende Entdeckungen – von Libellen im Morgentau bis hin zu wabernden Nebeln über toten Birken.

 

Goldenstedter Moor im Nebel

 

Deswegen wünsche ich mir sehr, dass die letzten Hochmoore erhalten bleiben und möglichst viele Moore wieder vernässt werden. Nicht zuletzt hoffe ich, eines Tages mit meinen Enkeln den Ruf des Großen Brachvogels zu hören und meine Faszination für diesen einzigartigen Ort an einem nebeligen Morgen an sie weiterzugeben.

©Matthias Niehues

Willi Rolfes (60) lebt am Rande des Moores in Vechta. Er ist geschäftsführender Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld. Dort veranstaltet er Fotoworkshops und ist Mitinitiator des Fotofestivals „Inspiration Natur“.

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