Passion plattdeutsches Theater


Schauspielerinnen und Schauspieler gelten als extrovertiert und experimentierfreudig. Finanzfachleuten schreibt man eher gegensätzliche Eigenschaften zu: Sie sind gewissenhaft und risikobewusst. Trotzdem gelingt es manchen Menschen, diese unterschiedlichen Attribute auf sich zu vereinen – wie Klaus Pflug. Für die LzO arbeitet er im Kreditmanagement, regelmäßig steht er aber auch auf der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters.

 

 

27. Februar 2024

©Lukasz Lawicki/Staatstheater Oldenburg

Die großen Weichen des Lebens hat Klaus Pflug früh gestellt. Die erste betraf den Beruf: Am 1. August 1983 begann er im Alter von 18 Jahren seine Ausbildung zum Sparkassenkaufmann – und damit ein Arbeitsverhältnis, das bis heute andauert. „Solch eine Kontinuität ist mittlerweile eine Seltenheit“, ist sich der 58-Jährige bewusst. Derzeit ist Pflug Administrator für eine Software-Lösung der LzO. „Angefangen hat alles mit einfachen Excel-Tabellen“, blickt der ehemalige Finanzierungsberater zurück. Die habe er ursprünglich für sich selbst entworfen, um seine Gespräche besser protokollieren zu können. „Dabei habe ich mein Interesse für diesen Bereich entdeckt.“

 

„Mir ist es wichtig, die Tradition des Platt zu erhalten.“

 

Ebenfalls in den frühen 1980er-Jahren stellte Pflug die zweite großen Weiche: für das Theater. „Ich war damals Mitglied in der Landjugend Moorriem. Als die plattdeutsche Theatergruppe Verstärkung suchte, habe ich einfach mal mein Glück versucht“ – freilich ohne zu wissen, dass damit eine Leidenschaft ihren Anfang nahm, die ihn sein Leben lang begleiten würde. Dem „Platt“ ist Pflug dabei stets treu geblieben: „Mir ist es wichtig, diese Tradition zu erhalten“, bekennt der gebürtige Oldenburger. Sie gehöre fest zum norddeutschen Landstrich. Außerdem sei es viel einfacher, unschöne Dinge auf Platt auszudrücken: „Die tun dann weniger weh, als wenn man sie auf Hochdeutsch formulieren würde.“

Seit mittlerweile zwölf Jahren gehört Pflug zum Ensemble der August-Hinrichs-Bühne, die an das Oldenburgische Staatstheater angeschlossen ist. Im Kleinen Haus tritt er regelmäßig vor über 300 Zuschauerinnen und Zuschauern auf und übernimmt dabei auch Hauptrollen, wie zuletzt bei „All ünner en Dannenboom“. Obwohl es sich um ein Amateurtheater handelt, gibt es durchaus professionelle Strukturen: „Vor einer Premiere proben wir sechsmal die Woche“, gewährt Pflug einen Einblick. „Zeit für Privatleben bleibt in dieser Phase kaum. Doch schon der erste Applaus entschädigt für die Strapazen.“ Lampenfieber kenne er indes nicht, das Spiel mit dem Publikum sei ihm immer leichtgefallen. „Die Reaktionen aus dem Saal machen für mich einen großen Reiz aus“, erzählt der erfahrene Schauspieler.

 

 „Schon der erste Applaus entschädigt für alle Strapazen.“

 

Im Einklang Bühne und Beratung

Was zunächst wie ein Widerspruch zum Arbeitsalltag in einer Sparkasse klingt, stellt sich bei näherer Betrachtung als gute Ergänzung heraus: „Ich konnte meine Theatererfahrung durchaus im Beruf nutzen“, berichtet der Finanzexperte. In der Beratung sei ihm Augenhöhe immer wichtig gewesen – und das Theater biete viele Möglichkeiten, sich in andere Personen hineinzuversetzen und ihre jeweiligen Blickwinkel zu verstehen. Zu seinen Kundinnen und Kunden habe er deshalb immer schnell einen guten Draht gehabt, Beratungsgespräche seien ihm leichtgefallen.

Klaus Pflug vereint viele unterschiedliche Attribute auf sich, ein Mann der Extreme ist er jedoch nicht. Vielmehr hat er seine Berufungen früh gefunden und konnte so verschiedene Interessen wie Sparkasse und Schauspiel miteinander in Einklang bringen. Diese Kombination bereitet ihm auch nach vierzig Jahren noch viel Freude – und so führt der Weg von Klaus Pflug sicherlich noch oft vom Schreibtisch ins Rampenlicht.

©Lukasz Lawicki/Staatstheater Oldenburg
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