Wie sich equalchamps gegen ungleich verteilte Sponsorengelder einsetzt:

Für Chancengleichheit im Profisport

31. Januar 2024

equalchamps Gründerinnen Laura Elbers und Lina Soffner

©equalchamps

Sponsorengelder sind extrem ungleich verteilt zwischen weiblichen und männlichen Profisportlern. Laura Elbers und ihre Geschäftspartnerin Lina Soffner wollten das nicht länger hinnehmen: Mit ihrem Start-up equalchamps haben sie eine Plattform aufgebaut, die Leistungssportlerinnen und Unternehmen zusammen- und im Idealfall zu einem Sponsoring-Vertrag führt. Im Interview erzählt Laura Elbers über erschütternde Ausmaße der Ungleichheit und wie sie ihr entgegenwirken wollen.


Frau Elbers, was gab den Ausschlag für Sie und Ihre Geschäftspartnerin Lina Soffner, gegen die ungerechte Verteilung von Sponsorengeldern im Profisport anzugehen?

Die Idee entstand im Modul „Gründungsplanung“ des Studiengangs „Management und Entrepreneurship“ der Leuphana Universität in Lüneburg. Wir sollten ein gesellschaftliches Problem identifizieren und dazu eine Lösung erarbeiten. Einige Tage vorher haben wir mit einer befreundeten Handballerin gesprochen, die in der 2. Bundesliga spielt. Sie zahlt für viele Wettkämpfe und Turniere die Fahrtkosten selbst. Ihr Freund hingegen, der einige Ligen unter ihr spielt, verdient mit dem Handball bereits Geld. Obwohl wir wussten, dass es große Unterschiede bei den Rahmenbedingungen im Leistungssport gibt, haben uns die Ausmaße der Ungleichheit im Sport erschüttert.

Wie lässt sich dieses ungleiche Verhältnis in Zahlen fassen?

93 Prozent des weltweiten Sponsorings fließen in den Männersport, nur 7 Prozent in den Frauensport. Da wir sehr sportbegeistert sind und uns Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit sehr am Herzen liegen, haben wir uns entschlossen, equalchamps zu gründen und gegen das Problem dieses enormen Gefälles anzugehen.

 

„Mit equalchamps wollen wir gegen die enorme Ungleichverteilung von Sponsoring-Geldern im Profisport angehen.“

 

Auf welche Entwicklung und Meilensteine kann equalchamps seit der Gründung im Juli 2021 zurückblicken?

Bereits im September 2021 haben wir unsere Plattform gelauncht. Mittlerweile können wir stolz mitteilen, dass sich bereits über 200 Sportlerinnen und Mannschaften ein Profil erstellt haben und wir bereits über 25 Sportarten auf der Plattform abbilden. Wir verbessern sie stetig und haben unser Matching etabliert, mit dem wir passgenaue Kooperationen empfehlen können. Wir konnten auch schon einige Sponsorings erfolgreich vermitteln. Zudem freuen wir uns über die diversen Medienberichte über equalchamps. Ein besonderes Highlight waren der Live-Auftritt bei Sky Sport News im Rahmen des Weltfrauentags sowie der Bericht bei Sky Sport News bei der Premiere des Formats „GameCHANGERINNEN“.

Auch Paarläuferin Annika Hocke nutzt equalchamps für das Finden eines Sponsoren. ©International Skating Union (ISU) // Joosep Martinson

Wie genau funktioniert dieses „Matching“?

Es basiert auf Daten wie den Werten der Sportlerin und des Unternehmens, den Sponsoring-Zielen sowie persönlichen Präferenzen.

(Warum) Ist es entscheidend, dass Idee und konkrete Maßnahmen von Ihnen als weiblichem Duo umgesetzt werden?

Dass wir als weibliches Duo diese Vision verfolgen, verhilft uns möglicherweise zu mehr Authentizität. Trotzdem ist es uns wichtig zu verdeutlichen, dass jede:r sich einsetzen kann und wir dieses Problem nicht allein lösen können. Es ist wichtig, dass sich viele Menschen für Chancengleichheit im Sport stark machen – und zwar unabhängig vom Geschlecht.

Nicht selten werden konkrete Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen mit Skepsis betrachtet, etwa bei der Frauenquote in Führungsebenen. Was bringen Sie gegen diese Position ein; warum ist es so wichtig, dass sich Frauen weiterhin für mehr Gleichberechtigung u. a. im Sport stark machen?

Die Dominanz des Männersports hat sich über Jahre hinweg und durch Traditionen und Strukturen aufgebaut und immer weiter verstärkt. Dies wird nicht nur in der Verteilung von finanziellen Mitteln, sondern auch in der Medienpräsenz oder Nachwuchsentwicklung deutlich. Daher ist es wichtig, gezielte Maßnahmen umzusetzen, wie Sponsoring-Partnerschaften und die Steigerung der Medienberichterstattung, um dieses Missverhältnis auszugleichen.

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Wie vielen Frauen konnten Sie bisher durch Ihre Unterstützung zu einem Sponsoring verhelfen?

Wir konnten bereits über 60 Sponsorings an Sportlerinnen und Mannschaften vermitteln. Einige der Sponsorings wurden bereits für ein zweites Jahr verlängert. Das freut uns besonders, denn eine Verlängerung zeigt, dass sich die Partnerschaft im ersten Jahr bewährt hat.

Lässt sich anhand von konkreten Zahlen bereits belegen, dass Sie nachweislich zu einer gerechteren Verteilung des Sponsoringvolumens beigetragen haben?

Der Sponsoringmarkt in Deutschland und weltweit ist riesig. Im Jahr 2020 lag das Volumen allein in Deutschland bei 3,8 Milliarden Euro. Daher konnten wir mit equalchamps bisher nur einen kleinen Teil zur gerechteren Verteilung beitragen. Dennoch lässt sich sagen, dass wir schon viele Menschen anregen konnten, die Verteilung des eigenen Sponsoring-Budgets zu hinterfragen und mehr in den Frauensport zu investieren.

 

„Viele Athletinnen haben eine Mehrfachbelastung aus
Leistungssport, Arbeit, Studium oder Ausbildung und Familie.
Diese Leistung gilt es anzuerkennen.“

 

Ein Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung des Profisports im Hinblick auf mehr Gleichberechtigung von Frauen und Männern?

Wer an Leistungssport denkt, denkt meistens direkt an Männersport, konkreter gesagt: an Männerfußball. Viele andere tolle Sportarten erhalten kaum Präsenz in den Medien. Auch der Frauensport ist dort absolut unterrepräsentiert. Wir wünschen uns eine Sportwelt, in der der Sport der Frauen sichtbarer und mehr wertgeschätzt wird, auch im Hinblick auf den Nachwuchs. Denn Sportlerinnen leisten und trainieren genauso viel wie Sportler. Nur haben viele Athletinnen eine Mehrfachbelastung aus Leistungssport, Arbeit, Studium oder Ausbildung und Familie. Diese Leistung gilt es anzuerkennen. Unser Wunsch ist eine Sportwelt, in der ein Sport für sich allein steht und die Unterscheidung nach Geschlecht keine Rolle spielt.

©equalchamps

Laura Elbers

hat noch während ihres Studiums „Management und Entrepreneurship“ an der Leuphana Universität Lüneburg das Start-up equalchamps gegründet. Gemeinsam mit ihrer Mitgründerin Lina Soffner und dem IT Business Angel Miguel Bebensee haben sie eine Plattform entwickelt, die Profisportlerinnen und Unternehmen für ein Sponsoring zusammenbringt. Laura Elbers verantwortet Strategie und Business Development. Zum Ausgleich spielt sie Tennis und ist als Jugendwartin in ihrem Heimatort aktiv.

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